WAI-Anwendungsgebiete
In Deutschland trifft der WAI derzeit auf ein zunehmendes betriebliches Interesse, insbesondere bei Mittel- und Großbetrieben.
Hierzulande wird der WAI eingesetzt
- bei der betriebsärztlichen Betreuung,
- in der Betriebsepidemiologie (Quer-, Längsschnitterhebungen, Begleitung von Interventionsmaßnahmen),
- wissenschaftlich (Quer-, Längsschnitt-, Interventionsstudien)
- sowie in letzter Zeit im Rahmen der beruflichen Wiedereingliederung.
WAI bei der betriebsärztlichen Betreuung
Erfahrungen aus der betriebsärztlichen Praxis zeigen, dass der WAI gut geeignet ist, die Ansichten der Beschäftigten in Bezug auf ihre konkrete Arbeitsfähigkeit am Arbeitsplatz mit Stärken und Schwächen abzubilden. Bei der betriebsärztlichen Betreuung steht zumeist das Gespräch über die einzelnen Aspekte des WAI im Vordergrund und weniger der WAI-Wert. Letztendlich kann anhand der WAI-Fragen mit den Beschäftigten besprochen werden, was sie tun können und was das Unternehmen tun kann, um die Arbeitsfähigkeit nachhaltig zu sichern. Der WAI unterstützt den Betriebsarzt also beim „mitarbeiterzentrierten Arbeiten“ mit den Beschäftigten.
Die Frage der nachhaltigen Förderung der eigenen Arbeitsfähigkeit ist für die meisten Arbeitsnehmer von zentraler Bedeutung. Daher überrascht es nicht, dass sie erfahrungsgemäß Form und Inhalt betriebsärztlicher Gespräche anhand des WAI sehr schätzen.
Beispiel: Differenzierter individueller Rückmeldebogen eines 25jährigen Beschäftigten
Bei der betriebsärztlichen Verwendung nimmt der WAI verschiedene Rollen ein:
- als sinnvolle Checkliste für das betriebsärztliche Gespräch anlässlich von betriebsärztlichen Untersuchungen (WAI als „Dialoginstrument“).
- als Frühindikator für die künftige Entwicklung der Arbeitsfähigkeit bei Einzelnen wie für den Betrieb.
- als Initiator von präventiven Maßnahmen.
- als Messinstrument für den Erfolg von Maßnahmen (auf individueller Ebene oder auf Gruppenniveau.
- als Instrument zur Begleitung von Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung.
- als Informationsquelle bei der betrieblichen Debatte zum Thema „Arbeit und Alter“.
Jeglicher betriebsärztliche Einsatz des WAI unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht.
WAI bei betrieblichen Erhebungen
Auf betrieblicher Ebene erfasst der WAI die gesamte Arbeitsfähigkeit der Belegschaft eines Unternehmens. Damit stellt er einen Indikator für die gegenwärtige und künftige Leistungsfähigkeit eines Unternehmens dar. Bei solchen „betriebsepidemiologischen Erhebungen“ wird der WAI oft in Kombination mit weiteren Instrumenten / Untersuchungen angewendet (z.B.
COPSOQ). So werden nicht nur gegenwärtige und künftige Stärken und Schwächen der Arbeitsfähigkeit im Unternehmen aufgedeckt, sondern durch zusätzliche Fragen auch Risikofaktoren für geringe Arbeitsfähigkeit (z.B. Aspekte der Führungsqualität) identifiziert (
ABI-NRW und
Projekt PIZA ). Das Instrument ist damit auch gut zur Anwendung im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung geeignet.
Die Ansatzpunkte der Prävention hängen von den konkret vorliegenden Arbeitsbedingungen ab und können nicht direkt aus dem WAI-Ergebnis abgelesen werden.
Wiederholte WAI-Erhebungen zeigen, wie sich die Arbeitsfähigkeit entwickelt und können dadurch den Erfolg von Interventionsmaßnahmen messbar machen.
Im Rahmen des WAI-Netzwerks wird es möglich, dass Betriebe „ihre“ Mittelwerte für Arbeitsfähigkeit mit Branchenmittelwerten vergleichen (siehe Beispiel in Abbildung).
Beispiel: Betriebliches WAI Benchmarking eines Krankenhauses mit Daten aus der WAI-Datenbank (nur Pflegepersonal)
Betriebliche Erhebungen dürfen nur mit Zustimmung von Arbeitgebern und Arbeitnehmervertretungen stattfinden. Der Datenschutz muss gewährleistet sein; dies schließt ein, dass keine Ergebnisse von Individuen oder Kleingruppen weitergegeben werden dürfen. Als ausführende Stelle betrieblicher Erhebungen könnte sich der Betriebsarzt anbieten, der unabhängig ist und der Schweigepflicht unterliegt.
WAI in wissenschaftlichen Erhebungen
Die wissenschaftliche Anwendung des WAI dient der Untersuchung der Entwicklung der Arbeits- und Leitungsfähigkeit. Die Kombination mit weiteren Instrumenten erlaubt die Beantwortung folgender Fragen:
- Welche Faktoren bei der Arbeit haben welche Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit?
- Was sind die Konsequenzen einer niedrigeren Arbeitsfähigkeit?
In beiden Fällen kann die Arbeitsfähigkeit in Bezug zu psychosozialen, physiologischen, arbeitsorganisatorischen und wirtschaftlichen Aspekten gesetzt werden. Dies schließt die Erfassung von Präventions- und Interventionseffekten ein.
Vergleichbarkeit - Benchmarking
Bei jedem der oben genannten Anwendungsgebiete ermöglicht der WAI eine Vergleichsmöglichkeit zwischen z.B.
- Abteilungen innerhalb eines Betriebes,
- Betrieben,
- Branchen,
- Altersgruppen,
- Ländern (Beispiel: NEXT-Studie)
Durch Vergleiche erhalten die eigenen Ergebnisse mehr Bedeutung und Interventionsbedarf kann besser eingeschätzt werden.